Das Theaterstück von Ágota Kristóf in einer Fassung von Martina van Boxen
Es ist Krieg. Die große Stadt wird bombardiert. Zwei Kinder werden aufs Land geschickt. Bei ihrer Großmutter sollen die Zwillinge bis zum Ende des Krieges bleiben. Doch das Leben im Dorf ist erbarmungslos, die Großmutter ist hart – zu ihnen und zu sich, und die beiden Kinder beginnen sich diesem Umfeld anzupassen. Fernab von der Schule bringen sie sich selbst bei, was sie fürs Überleben brauchen: Sie härten ihre Körper mit Schlägen ab, den Geist mit Schimpfworten. Was anfangs noch wie Kinderspiele anmutet, dient bald nur noch dazu, sich zum Überleben zu wappnen, in einer vom Krieg zersetzen Gesellschaft.
Die Kinder werden bald zu selbstständigen Akteuren im Dorfgeschehen und beobachten ihre Umwelt, machen sich Schwachstellen zunutze, lernen sich zu wehren und entwickeln dabei ihre ganz eigenen Moralvorstellungen. Wie ein Magnet werden die Dorfbewohner von den Kindern angezogen, die, fasziniert von der scheinbar kindlichen Unschuld inmitten des Krieges, erst bei den Jungen ihre Verletzlichkeit und Weichheit zulassen können.
In präzisen Sätzen schildert Ágota Kristófs in ihrem 1987 erschienenen Debutroman die Lebensgeschichte zweier Brüder, bei der Realität, Fiktion und Lüge nah beieinander liegen. Mit schlichter, klarer Sprache protokolliert Agota Kristof dabei ergreifend und ungeschönt eine Kindheit, die nichts Idyllisches hat. Sie zeichnet das Schicksal zweier im Krieg heranwachsender Zwillingsbrüder, die in einer schlechten Welt auf erstaunlich mutige Weise ums Überleben kämpfen. Dabei gelingt Kristóf schonungslos, doch niemals moralisch eine Geschichte über die Selbstermächtigung zweier Kinder, in einer verrohten Welt, die sich, unter aller Härte, nach Wärme und Geborgenheit sehnt.
Das Theaterstück ist Teil des Veranstaltungsprogramms zur Kulturlinie Ruhr.